Kurzrezension X-Men: Apocalypse

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dieEchse
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Kurzrezension X-Men: Apocalypse

Beitragvon dieEchse » Mo 30. Mai 2016, 10:46

X-Men: Apocalypse



Bild



Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Simon Kinberg
Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac
Prooduktion: Twenty Century Fox
Laufzeit: 144 min.



Synopsis:
1983 erwacht der mächtige Mutant Apocalypse in Agypten und scharrt seine vier apokalyptischen Reiter um sich. Die X-Men müssen sich vereinen, um der Bedrohung Herr zu werden.

Es gab einmal eine Zeit, so vor 5 bis 10 Jahren, da hatten Superheldenfilme noch den drang authentisch zu wirken. „V wie Vendetta“, die Dark Knight-Trilogie und auch die X-Men-Filme waren dafür Paradebeispiele. Dies änderte sich jedoch schlagartig mit dem Erfolg der Avengers-Filme, bei denen die Nachvollziehbarkeit auf der Strecke blieb und lieber gezeigt wurde, dass Flugzeugträger auch fliegen können.
Nun wird der ein oder andere vielleicht einwenden, dass Superheldenfilme von Anfang an nicht realistisch sind. Genau der gleichen Meinung war der geneigte Kinozuschauer vor etwa 20 Jahren. Deswegen war die Art von Filmen nicht massentauglich. Doch dann kamen Bryan Singer und Christopher Nolan und veränderten alles. Plötzlich konnte sich jeder Kinozuschauer in die glaubhafte Welt einfühlen und mit den Charakteren mitfiebern. Mittlerweile sind wir an einen Punkt angekommen, an dem die Wichtigkeit der Überzeugung des Publikums keine große Rolle mehr spielt.

„X-Men-Apocalypse“ ist der dritte Teil der neuen X-Men-Prequel-Reihe und wahrscheinlich nicht der letzte. Die Reihe fand ihren Ursprung 2011 mit „X-Men: Erste Entscheidung“, welcher die X-Men in die 1960er Jahre transportierte, samt todschickem Bond-Feeling und kaltkriegerischer Kuba-Krise. Der zweite Teil „Zukunft ist Vergangenheit“ setzte die Geschichte in den 70ern fort, leider ohne viel auf die Zeit damals einzugehen. Ein wenig Vietnam-Krieg hier, ein wenig analoge Heimkamera dort. Viel mehr wurde auf die, wenngleich sehr gut umgesetzten, Action-Szenen gesetzt. Dieses Muster setzt sich in „Apocalypse“ fort.

Ort sind dieses mal die 1980er Jahre, aber, wie gesagt, man spürt es nicht wirklich. Der angeblich erste Mutant der X-Men-Welt En Sabah Nur, der im ganzen Film nicht einmal bei seinem titelgebenden Namen genannt wird, erwacht aus nicht näher genannten Gründen in Ägypten. Dargestellt wird der überproportionale Schlumpf von einen unglaublich unterforderten Oscar Isaac („Drive“, „Ex Machina“), der nichts weiter zu tun hat als mit seiner tiefen Stimme immer wieder zu erwähnen, dass er Gott ist. Und ja, das ist seine Hauptmotivation, sprich: die Weltherrschaft. En Sabah Nur sieht optisch so aus wie Victor van Doom klingt, wie ein typischer Comicbuch-Bösewicht. Er besitzt keinerlei Charaktertiefe, Gefühle oder Schwächen, was ihm zum langweiligsten X-Men-Bösewicht aller Zeiten macht. Wenn es heißt, das ein guter Bösewicht Charme braucht, dann ist Apokalypse noch um einen Punkt ärmer.
Wie dem auch sei, En Sabah Nur sammelt seine vier apokalyptischen Reiter ein, in dem er sie mit zwei Sätzen aus seiner Väterliche-Schurken-Fibel catched. Nur bei Magneto (Michael Fassbender) dauert es noch zwei Sätze länger bis er sein schickes Schurkenoutfit bekommt – welches bei den Horseman, im Gegensatz zu Apocalypse selbst, ohne Hieroglyphen oder sonstige optische Anspielungen auf die ägyptische Kultur auskommt – denn der Storystrang von Erik Lehnsherr ist zutiefst bewegend, todernst und ausreichend für die weitere Entwicklung und Motivation dieser Figur. Das ist leider ein Einzelfall, den die restlichen Charaktere bekommen nicht mal eine halb so intensive Geschichte spendiert. Der Handlungsstrang von Magneto ist beinahe ein andere Film und wirkt stellenweise unpassend in einer kunterbunten Comicverfilmung mit viel Humor und einem eindimensionalen Bösewicht. Besonders in der Szene in Auschwitz wird dies deutlich, bei der die Kostüme echt fehl am Platz wirken. Cosplayer in Auschwitz!

Sicher, das klingt jetzt alles sehr negativ, aber vor 20 Jahren hätten sich alle über so ein perfekt inszenierten Superheldenfilm gefreut. Auch wenn die selben Klischees in „Deadpool“ schon verballhornt wurden, wie z.B. die pathetischen und bedeutungsschwangeren Ansprachen En Sabah Nurs, so ist „X-Men:Apocalypse“ wenigstens kein Action-Porno alà Captain America oder Avengers geworden. Es gibt sogar die ein oder andere memorable Szene; das Highlight bietet hier natürlich wieder Quicksilver (Even Peters), mit einer furiosen Rettungsaktion. Der Magneto-Part bietet sehr intensive Szenen, die einem im Gedächtnis bleiben. Der Aufbau und der Rhythmus des Films ist gut gelungen bis hin zum bombastischen Finale. Alles in allem sehr zufriedenstellend, wenn man nicht mehr als einen handelsüblichen Blockbuster erwartet.


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Bewertung: 7/10

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