Super Mario Bros. - Der Film (1993)

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dieEchse
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Super Mario Bros. - Der Film (1993)

Beitragvon dieEchse » Mo 23. Mai 2016, 15:03

Super Mario Bros. - Der Film


Jahr: 1993
Regie: Annabel Jankel, Rocky Morton
Drehbuch: Parker Bennett, Terry Runte
Darsteller: Bob Hoskins, John Leguizamo, Dennis Hopper, Samantha Mathis, Fiona Shaw


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Film und Videospiel – Ein Meister und ein Schüler

Es war einmal ein junges Medium namens Videospiel, welches ganz traurig war, da niemand es beachtete. Mit wässrigen, großen Augen schaute es zu seinen großen Geschwistern, dem Buch und dem Film, auf. Dann nahm das kleine Videospiel all seinen Mut zusammen und schwor sich: „Eines schönen Tages werde ich genauso respektiert werden wie meine Brüder, auch wenn ich dafür so sein muss wie sie“!

Tatsächlich haben sich Videospiele seit Anbeginn ihrer Ära von ihren medialen Geschwistern inspirieren lassen. Bereits in den 1970er Jahren entwickelten IT-Studenten ein Spiel namens „Adventure“ (1976). Dieser Titel gilt als das erste Textadventure in der Geschichte und damit auch als erstes Zusammentreffen zweier Medien – dem Buch und dem Film. „Adventure“ ist ein spielbares Buch; es wird eine Handlung vorgegeben und der Spieler muss mit Stichworten, die er in das Programm mittels einer Tastatur eingibt, die Handlung bis zum Ende vorantreiben. Berühmte Stichworte sind beispielsweise „Geh“, „Benutze“ oder „Rede mit“.
In den 80er Jahren, als Computer leistungsfähiger wurden, konnten sich Entwickler mehr und mehr an einem neueren Medium orientieren, dem Film. Grafik war nun darstellbar. Die Spiele, allen voran Grafikadventures, nutzten diese Technik für allerlei bildliche Referenzen an das große mediale Vorbild. 1986 erschien der Entwickler „Cinemaware“ auf der Bildfläche der Videospielgeschichte und kreierte Games, die sich selbst als spielbare Filme zu erkennen geben. Titel wie „Defender of the Crown“ (1986), „King of Chicago“ (1987) und „It Came from the Desert“ (1989) konnte man tatsächlich als kleine Filme bezeichnen.

Das kleine Videospiel kam aus seinem Schattendasein herausgekrochen und staunte nicht schlecht; es erfuhr Beachtung. Es streckte sein knochiges, kleines Ärmchen empor und streckte es der Menge entgegen. Und die Menge jubelte.
Doch die beiden großen Geschwister betrachteten den Erfolg des kleinen Mediums mit Neid und Argwohn. Da sprach der jüngere der beiden Geschwister namens Film: „Was du vermagst, das kann ich schon lange!“
Und so nahm das Unglück seinen Lauf.


Durch den bahnbrechenden Erfolg den „Super Marion Bros. 3“ (1988) zum Release 1990 in den Vereinigten Staaten hatte, nahm es sich Disney zur Aufgabe, den Erfolg des Japan-Imports auch in die eigene Tasche fließen zu lassen. Mit ihrem damaligen Erwachsenen-Filmlabel „Hollywood Pictures“ gaben sie im gleichen Jahr eine Multi-millionen Dollar teure Verfilmung in Auftrag.


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Der Spiel-Film: Ist das noch Story oder kann das weg?

Die Produktion des Streifen stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Das Studio wollte eine kinderfreundliche Version drehen, dem Regie-Ehepaar Annabel Jankel und Rocky Morten schwebte dagegen eine erwachsene Cyberpunk-Version vor. Alle Schauspieler beschrieben den Dreh zu „Super Mario Bros.“ als die schlimmste Erfahrung in ihren Leben. Die Regisseure wurden von den Schauspielern als egoistisch und stur bezeichnet, die das Drehbuch jeden Tag änderten, bis zu dem Zeitpunkt, an dem es keinen mehr kümmerte. Bob Hoskins, der Mario mimt, hatte bis zum Drehbeginn nicht mal gewusst, dass der Film auf einem Videospiel basierte. Und dann ist da noch John Leguizamo... als Luigi... 'seufzt'...

Inhaltsangabe!
Zwei Klempner müssen in eine andere Dimension reisen, um eine Prinzessin zu retten, die einen Stein ihr eigen nennt, den ein gewisser König Koopa braucht, um die beiden Dimensionen zu vereinen und damit das Ressourcenproblem der Koopa-Dimension zu lösen (außerdem strebt Koopa die Herrschaft über beide Welten an).

Was? Zu knapp? Was soll man auch über einen Film schreiben, der mit folgenden Worten anfängt: „Ein gigantischer Meteorit „rumste“ auf die Erde, adiòs Dinosaurier. Aber was, wenn nicht alle Dinosaurier vernichtet worden waren? Was wenn der Einschlag des Meteoriten ein Paralleluniversum geschaffen hat, in dem sich die Dinosaurier zu intelligenten ... Wesen entwickelt haben? Und Leute, was wenn sie einen Weg zu uns gefunden haben?“
Diese – nebenbei bemerkt, schlecht animierte – Intro-Sequenz stellt mit diesen weisen Worten die Prämisse des Films dar, bei dieser man nur eine Kleinigkeit dazwischen rufen möchte: „Was habt ihr geraucht, liebe Autoren Bennett und Runte?“ Diese Frage steht während des gesamten Films stoisch und regungslos im Raum. Wer kommt auf die Idee ein kunterbuntes Märchenland wissenschaftlich erklären zu wollen? Schon in dieser kleinen Einführungssequenz wird das Problem von „Super Mario Bros.“ deutlich; der Film hat nichts, aber auch gar nichts mit seiner Videospiel-Vorlage gemein. Was wir hier sehen ist ein Stück kultureller Zeitgeist. Aber nicht der kulturelle Geist der damaligen Jugend, sondern von geldgierigen Erwachsenen, die glauben, was Teenagern damals als „cool“ empfunden haben. Das Ergebnis ist diese peinliche Farce, die sich selbst für unglaublich cool hält und dabei das Humor-Niveau der frühen 60er Jahre an den Tag legt. Kurzum: furchtbar!

Und das Alles, wird bereits in den ersten Minuten dieses Machwerks sichtbar. Auch die weiteren Szenen könnten nicht entfernter den Ton der „Super Mario“-Spiele widerspiegeln:

Eine Frau rennt panisch in einer regennassen Nacht eine dunkle Straße entlang, setzt ein Kind an der Türschwelle einer Kirche aus, nur um dann in einem Minenschacht begraben zu werden.
Zwei Klempner, die in Brooklyn in einer WG zusammenleben – einer davon würde sogar „Beavis and Butthead“ in mentaler Gescheitheit Konkurrenz machen – die sich zwar Brüder nennen, aber dennoch eine Vater-Sohn-Beziehung führen

Über all diesen Szenen schwebt ein nicht zu ignorierendes, immer lauter werdendes Mantra im Kopf: „Ich bin im falschen Film, ich bin im falschen Film, ich bin...“

Wirken die Szenen in der realen Welt schon deplatziert genug, so spürt man in der Koopa-Welt die Diskrepanz zwischen den Produzenten und Regisseuren am deutlichsten. Absurditäten aller Art gehen Hand in Hand mit verstörenden Bildern: von schleimigen Pilzen, über bizarre Schrumpfköpfe, bis hin zu seltsamen Frisuren. In diesem fehlplatzierten Mad Max/ Blade Runner -Setting scheint wirklich alles auf dem Kopf zu stehen, was die Vorlage bietet. Die traditionelle Märchenwelt wird mit futuristischen Cyberpunk-Elementen ersetzt (es gibt sogar Bar-Szenen). Koopa-Troopa haben kleine Köpfe auf ihren großen Körpern usw...

Da erscheint es uns als Zuschauer als besonders, wenn Mario und Luigi dann endlich in ihre ikonischen Klempneranzüge schlüpfen. Und sofort wirken die beiden Protagonisten deplatziert in dieser sonst so düsteren Welt. Aber keine Sorge; der Grund warum Mario und Luigi in den Spielen so großartige Springkünste an den Tag legen, hat im Film wieder einen technisierten Ansatz. Unsere Helden finden im Laufe der Geschichte gasbetriebene High-Tech-Springerstiefel, die sie ungeahnte Höhen erreichen lassen.

Es gibt also genügend Gründe, sich nicht in diese Welt, die einem vorgesetzt wird, einzufühlen und sie nicht als real zu empfinden. Aber einer der größten Schwächen der Koopa-Dimension ist, dass die Bewohner, ob Pilz oder Saurier, aussehen wie Menschen. Das ist zwar mehr dem Budget geschuldet, aber in solchen Fällen hätte die Produktion gar nicht erst in die Startlöcher gehen sollen. Man bedenke, Peter Jackson wäre bei seinem „Herr der Ringe“-Projekt mit der gleichen Mentalität herangegangen. Außerdem sind 42 Mio. für das Jahr '93 nicht wenig, so dass mehr hätte drin sein können.


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Fazit – Was vom Chaos übrig blieb


Das Hauptproblem des Films ist die komplette Missachtung des Ausgangsmaterials. Da hilft keine Erklärung und kein Blick durch die rosarote Brille der Nostalgie, dieses Machwerk ist reiner Mist. Die Inkonsequenz in der erzählerischen Darstellung und die Uneinigkeit über die Aussage sind da nur (un-)schmückendes Beiwerk zu dieser Katastrophe.

Man merkt den Schmerz der Schauspieler über jede Szene am Set. Niemand ist in seinen Szenen richtig auf das geschehen fokussiert, die Gesichter spiegeln den Gedanken „Ist es bald vorbei!“ wieder. Wir kommen nicht herum, zu merken, wie Dennis Hopper jede seiner Zeilen als King Kooper insgeheim belächelt.

Dennoch; wer einen Super Mario Brothers Film mit Starbesetzung und hohem Budget sehen möchte, der kommt um den Film nicht herum. Durch den Aufwand sind sogar einige (wenige) gute Effekte zu bewundern, die an einem, im gleichen Jahr erschienen, Spielberg-Film erinnern.

Das alte und stolze Medium war gebrochen. Es hinkte in die Ecke, um sich zu schämen und die Wunden zu lecken. Doch dann erhob es sich wieder und reckte die Faust in die Höhe.
Film: „Beim nächsten mal wird es klappen!“
Videospiel: „Na klar.“



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Re: Super Mario Bros. - Der Film (1993)

Beitragvon Sib » Mo 23. Mai 2016, 15:30

Es gab schon viel Müll damals... oder nennt man das schon eher Trash? xD
Man kann zwar von Vorlagen abweichen, aber nicht so xD
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Re: Super Mario Bros. - Der Film (1993)

Beitragvon Amahagene » Mo 23. Mai 2016, 15:32

Etwas mehr humor und ich kringel mich noch mehr vor lachen.

Sorry, aber ich muß mich leider als Fan dieses Trash B Movies outen :D
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Re: Super Mario Bros. - Der Film (1993)

Beitragvon AlbertWesker » Mo 23. Mai 2016, 18:26

Weil dieser Film so ein scheiße ist, hat seinen Kultstatus bekommen, eben weil er so ist wie er ist :D
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Re: Super Mario Bros. - Der Film (1993)

Beitragvon dieEchse » Mo 30. Mai 2016, 10:55

Beitragvon AlbertWesker » Mo 23. Mai 2016, 18:26
Weil dieser Film so ein scheiße ist, hat seinen Kultstatus bekommen, eben weil er so ist wie er ist :D

Das ist ein wahres Wort... leider

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