Moto Racer 4 (PS4) im Test – Schneller Arcaderacer mit Frustspirale

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Moto Racer 4 (PS4) im Test – Schneller Arcaderacer mit Frustspirale

Beitragvon thomary » Fr 2. Dez 2016, 13:01

Wer Motorradrennspiele mag, kommt in diesem Jahr ganz gut auf seine Kosten: Für Simulationsfreunde erschien vor einigen Wochen Milestones RIDE 2, welches uns auf Xbox One zwar nicht rundum überzeugte, aber dennoch einen soliden Auftritt hinlegte. Doch auch wer sich eher dem Arcade-Gefilde zu getan fühlt, bekommt nun neue Spielekost: Microids Moto Racer 4 ist ab sofort für PS4 erhältlich und bringt damit eine der ganz großen Reihen zurück, die noch in den Neunzigern ihre Hochzeiten feierte. Ob die Wiederkehr überzeugt, verrät unser Test.

Ein Gefühl von Retro

Moto Racer 4 prügelt sich nicht mit der Rennspielkonkurrenz darum, möglichst realistisch (das hatten wir ja schon geklärt) oder Next-Gen zu sein. Genau deshalb gefällt mir der Grundstock des Spieles so gut: Abgetrennte Events, verschiedene Strecken, Meisterschaften! Open World und Co.? Denkste!

Was mir an Rennspielen früher so gut gefiel war, dass einem die Rennstrecken in Erinnerung blieben. Meistens handelte es sich in Klassikern wie Need for Speed 4 und Co. um Phantasiestrecken bzw. Interpretationen „echter“ Schauplätze, und das Schöne dabei war, dass jede Strecke ihre Eigenheiten und ihren ganz eigenen Flair hatte. In den heutigen Rennspielen freue ich mich nun zwar über die wundervolle Open-World und finde dort ggf. auch viel Abwechslung, aber dieser einzelne „Wow-Effekt“ fehlt irgendwie.

Moto Racer 4 und seine Strecken transportieren diesen Wow-Effekt – Es handelt sich um Phantasiekurse, die jedoch durchaus realistisch anmuten, und sie bieten viel Abwechslung. Mal rasen wir über grüne und hügelige Wiesenstrecken, mal durch einen dichten Wald, ein anderes Mal durch die Wüste inklusive Flugzeugfriedhof, ein weiteres Mal an einer beeindruckend beleuchteten Brücke vorbei. Auf den Strecken überzeugt auch das Spiel mit Licht und Schatten, obwohl Moto Racer 4 grafisch keine ganz große Klasse darstellt. Die Strecken mit ihrer Abwechslung und ihrer Gestaltung inklusive einiger Abschnitte, in denen man springen und an der richtigen Stelle landen muss, sind ein unheimlich starker Teil am Spiel. Die Anzahl der Strecken geht auch in Ordnung – In Moto Racer 4 gibt es normale Straßenrennen und Motocross, was sich spielerisch durchaus ein wenig unterscheidet, da man auf den schlammigeren Motocross-Strecken viel mehr mit Drifts und Sprüngen bzw. Stunts arbeitet. Cool!

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Die Strecken sind abwechslungsreich und einprägsam.


Ungewöhnliches Fortschrittssystem

Das Herzstück von Moto Racer 4 ist definitiv die Kampagne, und die Entwickler haben hier auf ein sehr ungewöhnliches Fortschrittssystem gesetzt. Man kennt es ja irgendwie von früher so, dass man sich durch den Baum an Events arbeitet und jeweils genügend Punkte sammeln muss, um zu einem bestimmten Zeitpunkt die nächsten Events freischalten kann. Meistens reicht es, überall bspw. den dritten Platz zu belegen und damit die Mindestanzahl an Punkten bzw. Sternen zu verdienen, um weiterzuspielen zu können.

Moto Racer 4 setzt hier eins drauf: Beim Start jedes Events dürft ihr eure eigene Leistung einschätzen. Bei einem normalen Rennen bspw. wählt ihr also: Ich traue mir zu Dritter zu werden. Schafft ihr das, erhaltet ihr einen Stern. Schafft ihr das, wird euch in diesem Fall ein roter Stern zugeteilt und damit von der Gesamtzahl verdienter Sterne ein Stern abgezogen. Traut ihr euch zu, erster zu werden, passiert Ähnliches, nur gleich mit drei Sternen anstatt einem.

In Moto Racer 4 kann es euch also passieren, dass ihr bereits freigeschaltete Events nicht mehr fahren könnt, weil ihr Sterne verliert und dadurch die Freischaltbedingungen nicht mehr erfüllt sind. Ich finde das System an sich gelungen, nur leider ist die Selbsteinschätzungsmöglichkeit eine Farce, denn de facto ist es nichts anderes als Schwierigkeitsgrade: Wenn ich einen Stern (= Position drei in einem normalen Rennen) problemlos schaffe, und mir dann ja automatisch zutraue, den nächsten Stern in Angriff zu nehmen, wird das Rennen um ein Vielfaches schwieriger, weil ich gegen eine ganz andere KI antrete. Dann schaffe ich das Rennen nicht und verliere nicht nur meinen zuvor verdienten Stern, sondern unterm Strich wird mir sogar noch einer abgezogen!

Ich finde diesen Kniff nicht sonderlich gelungen, weil das Spiel einem vorgaukelt, meine eigenen Fähigkeiten unter Beweis stellen zu können, einem jedoch auf den verschiedenen Schwierigkeitsgraden völlig verschiedene Herausforderungen stellt – Vor allem bei den Events, wo man den Feldersten jagen muss, ist das ein frustrierendes Erlebnis. Doch auch die normalen Rennen sind zu Beginn mit einem Stern teils viel zu einfach, auf drei Sternen aber einfach nur viel zu schwer. Zentrale Krux: Einfacher wird alles mit Upgrades, doch um an diese zu kommen, muss man zumeist Events mit drei Sternen schaffen oder die Style-Herausforderung erfüllen, zum Beispiel durch Drifts oder durch das Ausführen der einfachen Stunts, doch um auf die nötigen Punkte zu kommen, muss man sich ganz schön ins Zeug legen. Moto Racer 4 hat eigentlich keine unheimlich umfangreiche Kampagne, doch sie wird dadurch in die Länge gezogen, dass man Vieles doppelt, dreifach und noch öfter spielt – Alleine schon, um ggf. verlorene Sterne wieder aufzuholen.

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Drei rote Sterne... Nerv!


Technische Wehwehchen

Bei Moto Racer 4 kommt die PS4 ganz schön ins Schwitzen – Aber hauptsächlich, weil das Spiel nicht sonderlich gut an die Hardware optimiert scheint. Die Bildrate geht dank der bisher veröffentlichten Patches aber größtenteils in Ordnung. Weniger gut sieht es mit anderen technischen Problemen aus, die zahlreiche gesät sind und von denen einzelne immer wieder auftreten. Ein großes Problem hat das Spiel des Öfteren mit der Bestimmung der eigenen Position: Man führt das Feld an, ist aber laut Spiel 2., 3. oder 4. Das schnallt Moto Racer 4 aber erst beim nächsten Überfahren der Ziellinie – Dumm nur, wenn es die letzte Runde war. Dann bekommt man eine falsche Position angerechnet. Manchmal passiert es auch umgekehrt. Man ist laut Spiel Erster, obwohl man auf der letzten Position war…

Andere Bugs fallen eher in die Kategorie witzig, wie wenn sich die Animationen der KI aufhängen und ein Fahrer dann beispielsweise in Schieflage oder auf dem Motorrad stehen durch die Gegend fährt. Nach einigen Hundert Metern setzt sich das Ganze dann meistens wieder zurück und alles ist normal. Witzig sehen solche Fehler aber allemal aus. Nervig sind teilweise auch Probleme mit der Kollisionsabfrage, denn entweder es werden einem Strafpunkte für Off-Road abgezogen, obwohl man auf der normalen Strecke fährt, oder das Spiel behauptet krampfhaft, man sei in die falsche Richtung unterwegs, obwohl man richtig fährt.

Verlässt man die Strecke und fällt beispielsweise ins Wasser, wird man automatisch zurückgesetzt – Auch hier verhält sich das Spiel sehr unterschiedlich. Manchmal holt man dadurch mehrere Positionen auf, weil man viel zu weit vorne auf die Strecke gesetzt wird, manchmal verliert man Positionen, weil man viel zu weit hinten auf die Strecke gesetzt wird. Hier scheinen sich die Entwickler keine Mühe gemacht zu haben, die richtigen Rücksetzpunkte für die Streckenabschnitte zu definieren.

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Und sonst noch?

Moto Racer 4 hat auf Dauer das zentrale Problem, dass dem Spiel dann irgendwie doch das Aufregende fehlt – Durch den unausgegorenen Schwierigkeitsgrad steigt das Frustpotential innerhalb der Kampagne, und außerhalb gibt es nicht sonderlich zu entdecken. Es gibt diverse schnelle Spielmodi und natürlich auch einen Onlinemodus, wo ich aber nicht ein einziges Mal einen Mitspieler gefunden hätte – Schade, aber hierfür kann das Spiel natürlich nichts!

Im Übrigen versucht Moto Racer 4 auch eine Story rund um die verschiedenen Fahrer zu inszenieren. Hierbei hat jeder Fahrer seinen „Nemesis“, also einen Erzfeind. So richtig zieht das Ganze nicht – Im Grunde ist mir auch egal, wen ich fahre, zumal es bei verschiedenen Kampagnenabschnitte Vorschriften gibt. Die verschiedenen Fahrer haben unterschiedliche Attribute, wobei das auf der Strecke nicht großartig ins Gewicht fällt – Deutlich bedeutender sind dann jeweils die Upgrades, denn hier merkt man die damit einhergehenden Verbesserungen durchaus deutlich.

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Fazit: Es reicht nicht für die Pole Position...

Moto Racer 4 hat einige Aspekte, die bei mir Erinnerungen an meine früheren Lieblingsrennspiele wecken: Dazu gehören beispielsweise die tollen und optisch einprägsamen Strecken, die auch spielerisch gute Herausforderungen bieten. Auch die klassische Kampagne mit dem interessanten Fortschrittsystem konnte mich zunächst begeistern, wäre die vorgegaukelte Entscheidungsfreiheit nicht in Wirklichkeit eine Farce, hinter der sich drei unausgegorene Schwierigkeitsgrade verstecken. Auch spielerische bzw. technische Probleme wie die zahlreichen Bugs im Bereich Kollisions- und Positionsabfrage nerven. Dass es abseits der gestreckt wirkenden Kampagne dann noch so wenig zu entdecken gibt, macht Moto Racer 4 das Leben nicht leichter. Es ist ein solider Arcaderacer, aber eben auch nichts besonders. Dennoch ist man vor allem als Motorradfan auf Konsolen momentan alternativlos unterwegs.

Pro Contra
+ Schnelles Gameplay - Viele Bugs (Positionsbestimmung, Kollisionsabfrage,...)
+ Tolle und abwechlungsreiche Strecken – Optisch wie spielerisch - Schlecht auf PS4 optimiert
+ Ungewöhnliches Fortschrittssystem... - ... mit viel Frustpotential
+ Stunts und Fahrzeugupgrades - Upgrades schwierig zu bekommen
+ Straßen und Motocross - Kampagne wirkt gestreckt
- Wenig zu entdecken abseits der Kampagne


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Technik: 62
  • Grafik: 75
  • Sound: 70
  • Umfang: 70
  • Gameplay: 58
  • KI: 38

Spielspaß: 66

Singleplayer:
  • Story: Moto Racer 4 versucht eine Geschichte und Kämpfe zwischen den Fahrern zu inszenieren. Das gelingt kaum.
  • Frustfaktor: Sehr hoch – Schätze ich selbst meine Fertigkeiten ein? Nein, das Spiel setzt mir eigene Herausforderungen vor, die wenig konsistent sind.
  • Wiederspielwert: Durchaus vorhanden, da die Rennen Spaß machen.
  • Design/Stil: Gelungen – Die Strecken gefallen mir sehr gut. Technisch mäßig.
  • Musik: In Ordnung. Passend für ein Arcaderennspiel.

Informationen zum Testgerät
Plattform: PlayStation 4 500GB
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 3 Jahre (PS4 Launchkonsole)

Wir bedanken uns bei astragon entertainment für das Pressemuster zu Moto Racer 4!


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